Kapitel 7 - Signalverarbeitung (klausurkritisch)
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Verwandt: Kap. 5 Timer (Abtastung) · Kap. 8 Regelungen · Kap. 10 Datenmenge/Codierung
Quellen: [Q: SV] ES-08-SV Signalverarbeitung · [Q: ZF §8] · [Q: KL20 Aufg. 4] · [Q: ALT 2012/2013]
Inhalt
- Zeit- vs. Frequenzbereich
- Kreisfunktion & Fourier
- Abtasttheorem & Aliasing
- Oversampling & Mittelwert
- Gleitender Mittelwert / Tiefpass
- AD-Wandlung
- DA-Wandlung
- Datenvolumen
- Prüfungsrelevanz
1. Zeit- vs. Frequenzbereich
| Zeitbereich | Frequenzbereich (Spektralbereich) |
|---|---|
| x-Achse = Zeit, y-Achse = Messgröße | x-Achse = Frequenz, y-Achse = Amplitude/Intensität |
| vertraute Form (Oszilloskop) | sinnvoll für periodische Signale |
Analoge Signale (Audio, Schwingungen, Temperatur, Abstand, Geschwindigkeit; Stellgrößen wie Drehzahl, Servowinkel) lassen sich in beiden Bereichen analysieren.
2. Kreisfunktion & Fourier
Sinus-Grundform:
- Kreisfrequenz ω = 2πf.
- Beispiel:
T = 0,5 s→f = 2 Hz→y = A·sin(2π·2·t) = A·sin(4π t).
Fourier: Jedes periodische Signal = Summe von Sinus-/Kosinusfunktionen, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz sind (Grundfrequenz + Oberwellen).
- Fourier-Analyse: Zeit → Frequenz. Fourier-Synthese: Frequenz → Zeit (Umkehrung).
- Periodisches Signal → diskretes Spektrum (Linien). Nicht-periodisches → kontinuierliches Spektrum.
Klausur-Kernaufgabe (KL20 4.1–4.8 / ALT): Spektrum (Frequenz-Amplituden-Diagramm) ↔ Zeitfunktion.
- Frequenz → Zeit: Jede Linie bei Frequenz
f_kmit AmplitudeA_kliefert einen SummandenA_k·sin(2π f_k t). Gesamt:f(t) = Σ A_k·sin(2π f_k t).- Umgekehrt (Komponente enthalten?): Bei
sin(ω t)istf = ω/(2π). Fürsin(25π t)→f = 12,5 Hz; fürsin(100π t)→f = 50 Hz. Nur wenn diese Frequenz im Diagramm eine Linie hat, ist die Komponente mit der dortigen Amplitude enthalten (sonst Amplitude 0).
Merktabelle „sin(kπ·t) → Frequenz": f = k/2 Hz. Also sin(50π t) = 25 Hz, sin(300π t) = 150 Hz usw.
3. Abtasttheorem (Nyquist) & Aliasing
Abtasttheorem von Shannon (Nyquist-Kriterium):
Die Abtastfrequenz f_s muss mehr als doppelt so groß sein wie die höchste Frequenz f_max im Signal, um es korrekt zu rekonstruieren.
Aliasing: Wird f_s zu klein gewählt, entstehen Geisterfrequenzen - das rekonstruierte Signal ist ein anderes als das Original.
- 10 Hz Signal, mit 11 Hz abgetastet → erscheint als 1 Hz.
- 10 Hz mit 12 Hz → 2 Hz. 10 Hz mit 5 Hz → 0 Hz.
- Faustregel Alias-Frequenz:
|f_signal − n·f_s|(nächstes Vielfaches).
„mehr als" (>) ist strikt: genau
f_s = 2·f_maxreicht nicht. Für ein Signal mit höchster Komponente 400 Hz mussf_s > 800 Hzsein (z. B. 850 Hz), nicht 800 Hz.
Tiefpass durch Abtastwahl (KL20 4.10): Will man bewusst die höchste Komponente weglassen (Tiefpass-Wirkung), wählt man f_s so, dass es für alle außer der höchsten Frequenz das Kriterium erfüllt (also 2·f_zweithöchste < f_s ≤ 2·f_höchste).
4. Oversampling & Mittelwertbildung
- Oversampling (Überabtastung): Abtastung mit einem Vielfachen der nötigen Nyquist-Frequenz (oft Zweierpotenzen).
- Vorteile: einfachere Anti-Aliasing-Filter, höherer Signal-Rausch-Abstand (SNR), Abtastung mit geringerer Auflösung + Berechnung höherer effektiver Auflösung.
- Mittelwert über n Werte:
m = (1/n)·Σ x_i. Erhöht effektive Auflösung bei reduzierter Abtastfrequenz. Erzeugt Verzögerung (erst nach n Werten verfügbar).
5. Gleitender Mittelwert (Moving Average) / Tiefpass
- Rauschen = hohe Frequenzanteile (Streuung durch Messprinzip / begrenzte Genauigkeit).
- Gleitender Mittelwert filtert hohe Frequenzen → glättet (Tiefpass) bei gleichbleibender Auflösung.
- Nachteil: sprunghafte Änderungen werden verzögert sichtbar. Für die ersten n−1 Werte gibt es keinen MA.
- Ordnung = n−1 (wie bei Filtern). Tiefpassfilter lässt tiefe Frequenzen durch, dämpft hohe (Peaks ≈ hohe Frequenzen).
6. Analog-Digital-Wandlung (ADC)
Wandelt kontinuierliche Spannung in binäres Wort. Sample & Hold: Wert zum Abtastzeitpunkt halten bis Wandlung fertig.
Auflösung (kleinste erfassbare Änderung), n Bit, Bereich U:
- Beispiel: n = 10, U = 10 V →
10 V / 1024 ≈ 9,8 mV. - Quantisierungsfehler: max. ½ LSB (halbes niederwertigstes Bit).
Wortlänge bestimmen (Hörsaalübung [Q: SV S. 25]): Thermoelement 0,5 mV/°C, Bereich 0–200 °C, geforderte Auflösung 0,5 °C.
- Spannungsbereich = 200 °C · 0,5 mV/°C = 100 mV. Auflösung in Spannung = 0,5 °C · 0,5 mV = 0,25 mV.
- Stufen nötig: 100 mV / 0,25 mV = 400 →
2^n ≥ 400→ n = 9 Bit (2^9 = 512 ≥ 400).
Wandlerverfahren:
| Verfahren | Prinzip | Eigenschaft |
|---|---|---|
| Zählverfahren | LSB-Schritte aufaddieren (Treppenspannung) bis ≥ Eingang; Zähler erzeugt Schritte | geringer Aufwand; langsam, Zeit abhängig vom Eingangswert |
| Wägeverfahren (Successive Approximation) | bitserieller Vergleich, beginnend mit MSB (Balkenwaage) | effizienter, konstante Zeit (n Schritte) |
Zählverfahren ist NICHT schneller als Wägeverfahren. Klausur-Falschaussage: „Zählverfahren ist um Faktor log(N) schneller" → falsch. Das Wägeverfahren (MSB zuerst) ist i. d. R. schneller/konstant. ADC ≠ DAC: AD wandelt analog → digital (Sensor einlesen). Falschaussage „AD-Wandlung braucht man, um digitale Signale in Analogsignale umzusetzen" beschreibt DAC.
7. Digital-Analog-Wandlung (DAC)
Eingang = binäres Wort → Ausgang = analoge Spannung (gewichtete Summe der gesetzten Bits). Beispiel Regelventil (voll offen bei 6 V).
Auflösung DAC (KL20-ähnlich): 8-Bit, 6 V → 1-Bit-Änderung = 6 V / 2^8 = 6 V/256 ≈ 23,4 mV.
Verfahren:
- Direktes Verfahren: alle Ausgangswerte per Spannungsteiler bereitgestellt, mit Multiplexer (1-aus-n) auswählen. Schnell, aber sehr aufwändig → nur wenige Bits.
- Paralleles Verfahren / R2R-Netzwerk: Widerstandsnetzwerk aus nur R und 2R; pro Bit ein gewichteter Schalter. Skaliert gut mit Bitzahl.
8. Datenvolumen
- Hifi: 60 s × 44100 /s × 16 bit = 5292 kByte (hörbar bis ~20 kHz).
- Telefon/ISDN: 60 s × 8000 /s × 8 bit = 480 kByte. → Hifi ~11× teurer.
KL20 4.11: f_s = 800 Hz, 16-Bit (=2 Byte), 10 s → 800 · 10 · 2 = 16 000 Byte.
Prüfungsrelevanz
- Fourier-Umrechnung: Spektrum ↔
f(t)=ΣA_k sin(2πf_k t);sin(kπt) → f=k/2 Hz. - Abtasttheorem
f_s > 2·f_max(strikt!) + Aliasing-Berechnung; Tiefpass-durch-Abtastwahl. - ADC-Auflösung
U/2^n, Quantisierungsfehler ½ LSB, Wortlänge bestimmen. - Zähl- vs. Wägeverfahren (MSB zuerst, Wägeverfahren schneller).
- Datenmenge = Dauer·f_s·Byte/Sample.
- Gleitender Mittelwert = Tiefpass, glättet, verzögert.
Typische Fehler: ≥ statt > beim Abtasttheorem · Bit vs. Byte bei Datenmenge (16 Bit = 2 Byte!) · Zählverfahren für schnell halten · ADC/DAC verwechseln · beim Ultraschall Faktor 2 (siehe Kap. 5).