Kapitel 8 - Regelungen (Control Systems)

Startseite · Kap. 7 Signalverarbeitung · 8 Regelungen · → Kap. 9 Software Interrupt Verwandt: Kap. 5 Timer/PWM · Kap. 7 Signalverarbeitung · Kap. 6 Timer-Interrupt Quellen: [Q: ZF §9] (keine eigenen Folien - siehe Lücken) · Praktikums-Ziel PD/PID-Regler [Q: ORG]


Inhalt

  1. Regelkreis: Grundbegriffe
  2. Steuerung vs. Regelung
  3. Zweipunktregler & Hysterese
  4. PID-Regler
  5. Software-Implementierung
  6. Echtzeit-Aspekte
  7. Prüfungsrelevanz

1. Regelkreis: Grundbegriffe

Regelungen sind zentral für eingebettete Systeme, die mit der physischen Umgebung interagieren (Praktikum: Fahrzeug auf Wand-Abstand regeln).

BegriffEnglischBedeutung
Regelgröße (Istwert)controlled variablevom Sensor gemessener Zustand (z. B. Abstand)
Führungsgröße (Sollwert)setpointgewünschter Zustand
Regeldifferenz e(t)errore = Soll − Ist
Reglercontrollerberechnet aus e(t) die Stellgröße u(t)
Stellgröße u(t)control outputVorgabe ans Stellglied
Stellglied / Aktuatoractuatorsetzt u(t) physikalisch um (Heizung, Motor)
Regelstreckeplant/processdas beeinflusste physikalische System
Störgrößedisturbanceäußerer Einfluss (offenes Fenster beim Heizen)
flowchart LR
  S["Sollwert (Führungsgröße)"] --> E(("+/−"))
  E -->|"e(t)"| R["Regler"]
  R -->|"u(t)"| A["Stellglied / Aktuator"]
  A --> P["Regelstrecke"]
  P --> I["Istwert (Regelgröße)"]
  Z["Störgröße"] --> P
  I -->|"Rückführung (Sensor)"| E

2. Steuerung (Open Loop) vs. Regelung (Closed Loop)

  • Steuerung (open loop): kein Feedback; kann auf Störungen nicht reagieren.
  • Regelung (closed loop): misst das Ergebnis (Rückführung) und korrigiert den Fehler.

3. Zweipunkt-/Mehrpunktregler & Hysterese

  • Zweipunktregler: nur zwei Zustände (Ein/Aus), z. B. Bügeleisen, Thermostat.
  • Problem: schnelles Schalten (Flattern) um den Sollwert.
  • Lösung - Hysterese (Schmitt-Trigger): Einschalten erst unter unterer Schwelle, Ausschalten erst über oberer Schwelle → ruhigeres Schalten.

4. PID-Regler

Standardregler; kombiniert drei Anteile:

u(t)=Kpe(t)+Ki ⁣e(t)dt+Kdde(t)dtu(t) = K_p\,e(t) + K_i\!\int e(t)\,dt + K_d\,\frac{de(t)}{dt}
AnteilWirkungVorteilNachteil
P (Proportional)∝ Fehlerreagiert sofortbleibende Regelabweichung (Fehler nie ganz 0)
I (Integral)summiert Fehler über Zeiteliminiert bleibende Abweichung (hohe stationäre Genauigkeit)langsamer, neigt zum Schwingen
D (Differential)∝ Änderungsgeschwindigkeit des Fehlersdämpfend, „vorausschauend"verstärkt Rauschen extrem, selten allein
  • PD-Regler (Praktikum): P + D → schnelle, gedämpfte Reaktion ohne überschwingen; kein I nötig, wenn kleine bleibende Abweichung tolerierbar.

5. Implementierung in Software

MC arbeiten zeitdiskret → Modelle diskretisieren (Abtastzeit T):

  • Integral → Summe: I += e·T
  • Differential → Differenzenquotient: D = (e − e_alt)/T
// PID-Schritt (alle Abtastzeit T aufrufen, z.B. per Timer-Interrupt)
e   = soll - ist;
integ += e * T;
diff  = (e - e_alt) / T;
u = Kp*e + Ki*integ + Kd*diff;
e_alt = e;
  • Windup-Effekt: Ist das Stellglied am Anschlag (Sättigung, z. B. Ventil 100 %), wächst der I-Anteil theoretisch weiter → beim Umkehren dauert es lange, bis er wieder sinkt.
    • Lösung - Anti-Windup: I-Anteil begrenzen (Clamping).
  • Hybrider Ansatz: komplexe Regler durch Kennfelder (Look-up Tables) annähern → Stellgröße direkt aus Tabelle (Fehler, Fehleränderung) statt Rechnung → spart Rechenzeit.

6. Echtzeit-Aspekte

  • Stabile Regelung braucht deterministisches Zeitverhalten (konstantes Abtastintervall T).
  • Jitter (Schwankung der Abtastzeit) verschlechtert die Regelgüte.
  • Timer-Interrupt statt Polling für harte Echtzeit (deterministisch) → verknüpft mit Kap. 5/Kap. 6.

Prüfungsrelevanz

  • Steuerung vs. Regelung (open/closed loop, Feedback).
  • PID-Anteile und ihre Wirkung/Vor-/Nachteile (P = bleibende Abweichung, I = eliminiert sie, D = dämpft, verstärkt Rauschen).
  • Windup + Anti-Windup.
  • Diskretisierung (Integral→Summe, Differential→Differenz) + konstante Abtastzeit (Timer-Interrupt).
  • Praktikumsbezug: PD/PID für „vor die Wand fahren".

Typische Fehler: P-Regler „erreicht Sollwert exakt" (nein → bleibende Abweichung) · D-Anteil allein einsetzen (Rauschen) · variable Abtastzeit ignorieren.

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